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Mitgliederversammlung der Alzheimergesellschaft Gelsenkirchen am 28.11.

Interessierte sind auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Alzheimergesellschaft Gelsenkirchen herzlich willkommen. Sie wird am Mittwoch, 28.11., um 18 Uhr im Amalie-Sieveking-Haus in der Hans-Böckler-Allee stattfinden. Es stehen Berichte und Diskussionen über die Arbeit der Interessenvertretung für Betroffene und Angehörige an. Dabei können auch Interessierte ihre Anliegen vortragen. Nach den Wahlen zum Vorstand gibt es ein gemütliches vorweihnachtliches Zusammensein.

 

Selbstbestimmung und / oder Fürsorge?

Im Frühjahr gab es eine Meldung und einen Kommentar in der WAZ zu einer Dame, die aus einem Pflegeheim fortging und drei Tage später in einem Garten in der Nähe tot aufgefunden wurde. Die Kommentatorin verstieg sich zu Folgendem: „Die Gelsenkirchener Tragödie, ein Einzelfall? … Gefühlt kann so etwas jeden Tag wieder passieren. Das ist skandalös! Von einem Kindergarten erwartet man ein hohes Maß an Aufsichtspflicht. Zu Recht. Aber bitte auch von einer Einrichtung für Demente.“ Menschen mit Demenz ein Fall für die „Aufsichtspflicht“, Alteneinrichtungen wie Kindergärten? Wir haben als Alzheimergesellschaft Gelsenkirchen sofort mit folgendem Leserbrief reagiert: „‘Aufsichtspflicht für Demente‘? Menschen mit Demenz wegzusperren, um sie vor Gefahren zu schützen, ist wohl keine Lösung, wenigstens keine, die einer freiheitlichen Gesellschaft angemessen ist. Unsere Gelsenkirchener Alzheimergesellschaft tritt für eine Kultur der Aufmerksamkeit ein, dass verwirrte und hilflose Menschen Ansprache und freundliche Hilfe finden, wenn sie Schwierigkeiten haben sich im öffentlichen Raum zu orientieren. Außerdem brauchen Einrichtungen mehr Personal, um Menschen mit Demenz angemessen zu begleiten und zu unterstützen. Aber da geht es um finanzielle Ressourcen, die Gesellschaften für ihre Schwächsten einzusetzen gewillt sein müssen.“ Dieser Kommentar wurde einen Tag später abgedruckt – mit einer anderen Überschrift „mehr Personal“.

Was gehört zur Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz und wo hört sie auf – oder darf sie überhaupt aufhören? Das sind schwierige Fragen, denen wir uns in kommender Zeit verstärkt widmen wollen. In diesem Zusammenhang geht es auch darum, dass wir sammeln wollen und uns zum Anwalt machen wollen, wenn Angehörige den Eindruck haben, dass Menschen mit Demenz nicht würdevoll in Einrichtungen behandelt werden, dass sie sich an Bettgittern wundschabten, dass bei Medikamentenstudien keine Einwilligung vorliege, um zwei Beispiele zu nennen, die uns zu Gehör kamen. Die eine Seite dabei ist es, mit Einrichtungen ins Gespräch zu kommen, um die Angelegenheit zu klären. Einrichtungen stehen ja auch unter großem wirtschaftlichen Druck und sind den Anforderungen entsprechend personell völlig unterbesetzt. Da gibt es in Gelsenkirchen auch die Ombudsstel­le, die mit der ehemaligen Vorsitzenden der Gelsenkirchener Alzheimergesellschaft Ingrid Wüllscheidt bestens besetzt ist, die unter 0163–3169009 erreichbar ist. Die andere Seite ist, eine gesellschaftliche Bewegung zu schaffen für diejenigen, die selbst zu schwach sind, ihre Rechte zu verteidigen, gesellschaftliche Missstände anzuprangern, die Artikel 1 unseres Grundgesetzes Hohn sprechen, dass die Würde des Menschen unantastbar sei und dass ihr Schutz zentraler staatlicher Auftrag sei.

Der Deutsche Ethikrat hat am 1. November eine 242 Seiten starke Stellungnahme veröffentlicht. In der Pressemitteilung dazu heißt es:

Wann dürfen Menschen vor sich selbst geschützt werden?

Der Deutsche Ethikrat hat am heutigen Donnerstag in Berlin seine Stellungnahme „Hilfe durch Zwang? Professionelle Sorgebeziehungen im Spannungsfeld von Wohl und Selbstbestimmung“ veröffentlicht.

Mit Wohltätigkeit und Fürsorge begründete Zwangsmaßnahmen sind in vielen Feldern des Sozial- und Gesundheitswesens verbreitet. Dabei handelt es sich etwa um freiheitsentziehende Maßnahmen, wie die Unterbringung in Kliniken und anderen stationären Einrichtungen gegen den Willen der betroffenen Person oder das Anbringen von Bettgittern oder Fixierungsgurten, um medizinische Behandlungen oder Pflegemaßnahmen gegen den Willen eines Patienten oder um sogenannte intensivpädagogische Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe. Wenn eine Person sich selbst schwer zu schädigen droht, können solche Zwangsmaßnahmen dem Wohl der betroffenen Person dienen. Gleichwohl stellt jede Anwendung solchen „wohltätigen Zwangs“ einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Person dar und ist folglich in besonderem Maße rechtlich und ethisch rechtfertigungspflichtig. Dies führte immer wieder zu kritischen Diskussionen über entsprechende Praktiken in der Medizin, in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie in Pflege- und Behindertenheimen. Der Deutsche Ethikrat greift mit seiner Stellungnahme diese Diskussionen mit dem Ziel auf, Politik, Gesetzgeber und Angehörige von Gesundheits- und Sozialberufen auf Regelungs- und Umsetzungsdefizite im schwierigen Problemfeld der professionellen Hilfe durch Zwang hinzuweisen und Lösungsvorschläge aufzuzeigen.

Grundsätzlich ist der Ethikrat der Auffassung, dass die Anwendung von Zwang im Kontext professioneller Sorgebeziehungen nur als Ultima Ratio in Betracht kommt. Das heißt zunächst, dass Rahmenbedingungen, Strukturen und Prozesse so gestaltet werden sollten, dass Zwang möglichst vermieden wird. Kommt es dennoch zu Situationen, in denen eine Person schweren Schaden zu nehmen droht, etwa weil sie sich einer erforderlichen medizinischen Maßnahme widersetzt, so muss durch beharrliche Überzeugungsarbeit versucht werden, die freiwillige Zustimmung oder Mitwirkung des Betroffenen zu erzielen. Auch müssen vor der Durchführung einer Zwangsmaßnahme alle zur Verfügung stehenden weniger eingreifenden Möglichkeiten ausgeschöpft werden, mit denen das gleiche Ziel erreicht werden kann.

Zwangsmaßnahmen dürfen nur in Situationen in Erwägung gezogen werden, in denen ein Sorgeempfänger in seiner Fähigkeit zur Selbstbestimmung so stark eingeschränkt ist, dass er keine freiverantwortliche Entscheidung zu treffen vermag. Das bedeutet umgekehrt, dass der freie Wille einer voll selbstbestimmungsfähigen Person auch dann zu respektieren ist, wenn ihr erhebliche Risiken für Leib und Leben drohen. Die Fähigkeit zur Selbstbestimmung ist damit der zentrale normative Bezugspunkt im Umgang mit Zwang, auch wenn die Grenze der fehlenden Freiverantwortlichkeit in der Praxis schwer zu ziehen ist.

Jede Zwangsmaßnahme bedeutet in letzter Konsequenz eine Fremdbestimmung des Gezwungenen. Umso wichtiger ist es, ihre Durchführung so zu gestalten, dass Achtung und Respekt vor der individuellen Person und ihrer Selbstbestimmung soweit als möglich gewährleistet bleiben. Das bedeutet unter anderem, dass ihr Anspruch auf Partizipation durch Einbeziehung in die Planung und Durchführung sowie die Nachbereitung einer Zwangsmaßnahme durchgesetzt werden muss.

Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile einer Zwangsmaßnahme muss stets auch die Möglichkeit sekundärer Schäden etwa in Form von Demütigung, Traumatisierung oder Vertrauensverlust berücksichtigt werden. Die Dauer von Zwangsmaßnahmen sollte so kurz wie möglich gewählt werden. Um dies sicherzustellen, muss in angemessenen zeitlichen Abständen regelmäßig überprüft werden, ob die Voraussetzungen für den Einsatz von Zwangsmaßnahmen weiterhin vorliegen. Wegen ihres exzeptionellen Charakters müssen Zwangsmaßnahmen sorgfältig dokumentiert und in regelmäßigen Abständen ausgewertet werden. Maßnahmen der Qualitätssicherung inklusive Fehlermeldesysteme und Beschwerdemanagement sollten auch Zwangsmaßnahmen erfassen.

An Zwangsmaßnahmen beteiligtes Personal sollte speziell geschult sein. Die interkulturelle Kompetenz der professionell Sorgenden sollte gefördert werden. Auch sollten Strukturen geschaffen werden, die kulturelle und sprachliche Barrieren minimieren. Professionell Sorgende, die an Zwangsmaßnahmen beteiligt sind, sollten Unterstützung und Begleitung erhalten, um die im Umgang mit Zwang gemachten eigenen Erfahrungen kognitiv und emotional zu verarbeiten. Kollegiale Beratungsgremien sollten etabliert werden, die sich mit dem Einsatz von Zwangsmaßnahmen prospektiv und retrospektiv befassen.

Die Öffentlichkeit sollte für die ethisch und rechtlich problematischen Aspekte von Zwangsmaßnahmen im Umgang mit psychisch Kranken in Krisensituationen, Kindern und Jugendlichen in schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen sowie pflegebedürftigen alten und behinderten Menschen sensibilisiert werden. Dabei fällt den Medien die wichtige Aufgabe einer differenzierten und sachangemessenen Berichterstattung zu.

Zusätzlich zu diesen (und weiteren) grundsätzlichen Empfehlungen für den verantwortungsvollen Umgang mit Zwang in professionellen Sorgebeziehungen hat der Ethikrat eine Vielzahl bereichsspezifischer Empfehlungen für die drei Praxisfelder Psychiatrie, Kinder- und Jugendhilfe sowie Altenpflege und Behindertenhilfe formuliert, die in der Stellungnahme nachgelesen werden können.

Die Stellungnahme wurde ohne Gegenstimmen vom Deutschen Ethikrat verabschiedet. Ein Mitglied äußert in einem Sondervotum Bedenken bezüglich des zentralen Begriffs der Freiverantwortlichkeit. Der Begriff werde in der Stellungnahme nicht klar genug bestimmt, um die ihm aufgebürdete normative Last zu tragen.

Die Stellungnahme ist online verfügbar unter https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/stellung….

Neues Verständnis von Demenz durch Hirnforscher Hüther

Der Hirnforscher Gerald Hüther hat ein Buch über Demenz geschrieben (Raus aus der Demenz-Falle! Wie es gelingen kann, die Selbstheilungskräfte des Gehirns rechtzeitig zu aktivieren, arkana-Verlag) und bezieht sich dabei auf eine US-Studie mit Nonnen, die in sehr hohem Alter noch als Bibliothekarinnen und Lehrerinnen aktiv waren, obwohl sich nach dem Tode herausstellte, dass in ihrem Kopf ein typisches „Alzheimer-Gehirn“ war. Daraus zieht er den Schluss, dass nicht die Hirnabbauprozesse das Problem sind, sondern dass die Gesunderhaltungs- und Widerstandskräfte verkümmert sind. Diese erfordern, dass wir die Welt verstehen, sie beeinflussen und Sinn darin sehen können. Für die Nonnen war dies in ihrer religiösen Welt gegeben. Unser Umgang mit der Welt, der gesellschaftliche Umgang mit Alter erschweren die Bildung von Selbstheilungskräften, weil und sofern wir als Objekte – von Erziehung, von Personalentscheidungen, vom Wirken gesellschaftlicher Destruktivkräften – behandelt werden. Ein leichter und gut verständlicher Weg, sich über Hüthers Sicht zu informieren bietet ein Video unter: www.youtube.com

Kooperation mit dem Musiktheater im Revier

Eine Gruppe von Menschen mit Demenz hat mit Angehörigen und Betreuerinnen das kurzgefasste Ballett „Romeo und Julia“ besucht. Der Erfolg ermutigt, auch weiterhin in Kooperation mit dem Musiktheater solche Ereignisse zu planen.

Neue Selbsthilfegruppen

Die Alzheimergesellschaft Gelsenkirchen hat zwei neue Selbsthilfegruppen gegründet, für früh Erkrankte und für pflegende Männer. Näheres unter Selbsthilfegruppen!

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